Erfahrt im folgenden Interview mit Ulrike Filippig, was genau die Aufgaben von einer Onkolotsin sind, wie sie euch und euren Angehörigen helfen kann und wie ihr selber auch Onkolotsen werden könnt. Viel Spaß beim Lesen 🙂

Ulrike Filippig – als Betroffene, die 2015 an Brustkrebs erkrankt ist und es erfolgreich geschafft hat, hilft sie nun anderen Betroffenen und macht ihnen Mut.

# Was sind Onkolotsen und wie helfen sie Krebspatienten?

Onkolotsen helfen Patienten den optimalen Weg durch die Therapie zu finden und diesen zu begleiten. Wir sind verlässliche, vertrauensvolle und zeithabende Ansprechpartner. Außerdem Gesprächspartner für Patienten und deren Angehörige.

# Warum bist Du Onkolotsin geworden?

Durch meine eigene Erkrankung hat sich meine Lebensanschauung erweitert. Für mich ist es wesentlich geworden, genau an dem Punkt zu arbeiten und meine Energie einzusetzen, wo Menschen sich alleine fühlen und sich Unterstützung wünschen.

# Bei welchen Themen hilfst Du?

Es gibt umfangreiche Informationen und Hilfe bei Fragen rund um die Erkrankung. Dazu gehören sachliche Informationen über PatientenInnenrechte, Sozialangelegenheiten und Krankenkassenleistungen. Das behutsame Lotsen durch das komplexe Gesundheitssystem und seinen Abläufen. Aber ganz wichtig ist auch die Psyche und nicht jede/jeder kann oder möchte in der Familie oder Freunden offen über Sorgen und Nöte sprechen.

# Seit wann bist Du Onkolotsin?

Seit November 2018. Ich habe eine sehr gute Qualifizierung in Neumünster genossen. Meine Ausbilderin Andrea Krull (1. Vorsitzende des Vereins Eierstockkrebs e.V.) hat zusammen mit der Psychoonkologin Anke Hase und der Sächsischen Krebsgesellschaft e. V. eine fundierte und lebendige Ausbildung hier in Schleswig-Holstein geschaffen. Jeder Block war gespickt mit Fachwissen, interessanten Vorträgen und viel praktischer Arbeit. Das hat mir sehr gut gefallen, denn der Mensch mit seinen Strukturen und verschiedenen Lebensformen interessierte mich schon immer. Deshalb habe ich mich stetig weitergebildet. Meine Erfahrungen aus Familienaufstellungen und der Ausbildung zur Systemischen Beraterin, kann ich nun wunderbar in die Beratungsgespräche integrieren.

# Wie kann man mit Dir Kontakt aufnehmen?

Persönliche Gespräche finden in der Praxis Ostholstein Onkologie in Oldenburg statt. Aber auch per Telefon oder per E-Mail bin ich zu erreichen. Informationen zu den Inhalten der Arbeit und zu der Qualifizierung erfährt man unter www.eierstockkrebs-deutschland.de und mich selbst kann man unter www.ulrike-filippig.de erreichen.

# Was ist die häufigste Frage von Betroffenen? Wo musst Du am meisten helfen?

Oft steht die Machtlosigkeit im Mittelpunkt, das Gefühl das über den eigenen Kopf hinweg entschieden wird. Da ist es ganz wichtig wieder zu erkennen, dass der Patient selber immer noch Regie führt in seinem Leben und selbst entscheidet was mit ihr/ihm passiert. Aber auch Pflegegrad, Schwerbehindertenausweis, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sind immer wichtige Themen.

# Wie viel Zeit investierst Du pro Woche?

So ganz genau kann ich das gar nicht sagen. Zweimal die Woche bin ich in der Praxis und stehe für Gespräche zu Verfügung. Dazu kommen aber noch Telefongespräche und Kontakte per E-Mail. Statistisch gesehen hat ein Patient zwischen 3-8 Stunden Bedarf an einem onkolotsischem Gespräch in der Zeit seiner Erkrankung. Ich investiere gerne meine Zeit und Energie für diese Aufgabe. Es ist mir außerdem ganz wichtig, beim Aufbau und der Verbreitung der Weiterbildung zum Onkolotsen mitzuhelfen, denn ich finde, dass Krebspatienten unbedingt auch auf diesem Wege geholfen werden muss. Eine Klinik/Ärzte können diese wertvolle Arbeit kaum leisten…. Das ist sicherlich noch ein Stück zu gehen, aber Wege entstehen halt indem man sie geht!

# Muss man etwas zahlen? Wie werdet ihr finanziert?

Es gibt verschiedene Abrechnungsmodelle. In Krankenhäusern sind Onkolotsen ein Qualitätsmerkmal und durch die Klinik angestellt und meistens können Patienten diese besondere Leistung im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts erhalten. Aber es gibt natürlich noch „unabhängige“ Onkolotsen, die freiberuflich und außerhalb eines Krankenhauses tätig sind und unabhängig und weitläufig beraten können. Dort kann der Patient entweder über den Pflegegrad 1 abrechnen lassen oder auch als Privatleistung. Das kommt ganz drauf an und ist nicht pauschal zu beantworten.

# Wie lange betreust Du durchschnittlich eine Person?

Am Anfang sollten es 1- 2 direkte Gespräche sein. Dann kommt meistens eine gute Annahme der Situation/Hilfe. Wenn weitere, kurzfristig Fragen auftauchen sind Telefonate/E-Mails natürlich der schnellste Weg. Immer kommen jedoch Folgetermine, weil die Psyche erst einmal die Erkrankung Krebs verarbeiten muss. Die Häufigkeit der Gespräche bestimmt der Patient alleine, wir legen den Rhythmus, so wie es von ihm gewünscht wird und wie es für den Patienten in seinen Alltag passt.

# Können sich auch Angehörige bei Dir melden?

Unbedingt! Es gibt sehr viele Fragen und Unsicherheiten die sich Partner, Kinder (auch wenn sie schon erwachsen sind), Geschwister und Freunde stellen – alle sind in irgendeiner Form betroffen von der Krankheit und werden vom Leben aufgefordert damit umzugehen.

# Was ist das Ziel Deiner Arbeit? Was möchtest Du damit erreichen?

Ein zuverlässiger Beistand zu sein in einer außergewöhnlichen Lebenssituation. Das ganz große Ziel/die Vision ist, die Arbeit des Onkolotsen in Deutschland so bekannt zu machen, das jedem/jeder ermöglicht wird bei Bedarf selbstverständlich einen Onkolotsen an der Seite zu haben. Und dass es normal wird, Hilfe wie diese in Anspruch zu nehmen um leichter durch diese oft schwierige Situation zu kommen.

# Was möchtest Du anderen mit auf den Weg geben?

Das manchmal die größte Krise des Lebens sich später als Wegweiser im Leben zeigt. Für mich war die Diagnose eine Zeit des Erwachens. Was war bisher gut in meinem Leben und wo habe ich meinen ganz eigenen Weg aus den Augen verloren? Diese Fragen tauchten auf und bei der Umsetzung wieder meinen ganz eigenen Weg zu gehen waren Vertrauen und Annehmen gute Weggefährten.

# Hast du eine Lebensweisheit oder ein Zitat?

Dieses Zitat beschreibt für mich am besten die Arbeit eines Onkolotsen.

"Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen." Aristoteles Zitat

# Kann jede/jeder Onkolotse werden?

Günstig ist natürlich eine Vorbildung im Bereich Medizin und Gesundheitsberufen oder Beratungstätigkeiten. Aber auch Betroffene, die ihre Erfahrung weitergeben möchten, können sich als Onkolotsen weiterbilden. Das kann im Einzelfall immer mit uns geklärt werden.

# Wie kann man Onkolotse werden?

Über die Homepage des Vereins Eierstockkrebs Deutschland e.V. kann man sich umfassend informieren. Dort stehen Kontakte und Anmeldemöglichkeiten bereit. In Schleswig-Holstein beginnt die nächste Qualifikation Onkolotse am 25. April 2019 in Neumünster.

„Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Euer Interesse geweckt habe und noch viel mehr Menschen sich dieser wunderbaren und sinnvollen Aufgabe und dieser fundierten Ausbildung widmen!“
Eure Ulrike Filippig






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