„Wer sich bewegt,
bringt etwas in Bewegung.“
Robert Lerch

Dieses Zitat finde ich sehr passend. Als ich die Diagnose „Brustkrebs“ bekommen habe, dachte ich, dass ich keinen Sport mehr machen darf. Aber die Ärztin meinte „Das war früher so. Studien haben bewiesen, dass Bewegung während der Chemo sehr effektiv ist“. Da dachte ich mir „Perfekt. Ich liebe es Sport zu machen. Und jetzt erst recht, denn ich weiß, dass ich damit jedes Mal etwas mache, was der Krebs gar nicht mag.“ Mit jedem Bewegen habe ich dem Körper frischen Sauerstoff zugefügt, ihn gestärkt, meinen Kopf freibekommen und gegen den Krebs gekämpft. Dabei ist es nicht wichtig, was es für eine Art von Bewegung ist. Es reicht schon ein bisschen spazieren zu gehen. Je nachdem wie man sich fühlt. Hauptsache man bewegt sich regelmäßig.

Mir hat der Sport vor allem geholfen, weil ich mich dann nicht hilflos der Chemo ausgesetzt gefühlt habe.
ICH konnte aktiv etwas tun und meinem Körper helfen! Und das war eine gute Motivation.

Ich bin jemand, der gerne Sport macht, verschiedene Sportarten ausprobiert und sich auch mal wagt Wanderungen mit höherem Schwierigkeitsgrad zu machen. Ich habe schon oft meine Grenzen überschritten. Was immer wieder ein tolles Gefühl war. 🙂

Doch mit der Chemo musste ich meinen Körper und meine Grenzen neu kennen lernen. Die hochdosierte Chemo + die OP hat mein Körper nicht einfach so weggesteckt. Mir ging es gut, aber am Anfang durfte ich den Arm wegen der OP nicht belasten. Ich habe auch gemerkt, dass ich zwar noch immer fit bin, aber die Chemo meinem Körper dennoch auch viel Kraft kostet. Ich musste aufs neue lernen, was meinem Körper gut tut und was meine „neuen Grenzen“ für diese Phase waren. Es war nicht immer einfach. Aber nach einiger Zeit wusste ich es. Und ich muss sagen, auch wenn es manchmal Überwindung gekostet hat, zum Sport zu gehen, weil man sich doch schwach gefühlt hat, danach habe ich einen Energie-Schub gehabt und war einfach nur glücklich. Ich hatte wieder etwas gegen den Krebs gemacht.

Ein Beispiel: An einem Tag, sechs Tage nach einer Chemo, hat die Sonne geschienen und das Wetter war einfach traumhaft. Ich dachte mir, warum fahre ich nicht mal mit dem Fahrrad zum Sport. Es sind 7 km in eine Richtung. Ich habe mir ein Fahrrad genommen, was ich jederzeit wieder abstellen konnte, falls es körperlich doch nicht geht. Aber ihr glaubt gar nicht, wie gut mir die frische Luft und Sonne getan haben. Ich habe nicht nur die 7 km hin geschafft, sondern auch zurück und dazwischen habe ich noch trainiert. Ich hatte so viel Power. Während des Fahrrad fahren dachte ich immer: „So Krebs ich trete dir gerade sowas von in den A…. Mir geht es super und dich gibt es bald nicht mehr. Ich mache dich platt.“


Da ich meine Grenzen neu kennenlernen musste und am Anfang unsicher war, was ich darf und was nicht, fand ich es super, dass es das OTT (Onkologische Trainigs- und Bewegungstherapie) hier in Köln gibt. Es wird an der Uniklinik Köln angeboten und ist für Patienten mit einer Krebserkrankung. Ich habe diesen Tipp von meiner Ärztin bekommen und mich dort paar Tage nach der Diagnose direkt angemeldet. Was ich super daran finde, ist, dass es ausgebildete Sportwissenschaftler und/oder Physiotherapeuten sind, die sich mit den typischen Einschränkungen auskennen, die durch eine onkologische Behandlung entstehen. Wenn ich mir unsicher war, ob ich bestimmte Übungen machen soll oder mit welcher Intensität, konnte ich immer fragen und mir wurde es dann gezeigt.

Wie läuft das genau ab?
Wenn man sich dort anmeldet (Anmeldeunterlagen findet ihr weiter unten), bekommt man einen Kennenlern-Termin. Dort nimmt sich einer der Therapeuten für euch Zeit. Es wird besprochen welche Krebserkrankung ihr habt und wie eure Behandlung aussieht, z.B. welche Chemo genau ihr bekommt. Darauf abgestimmt können die Therapeuten einen Plan aus Kraft- und Ausdauertraining individuell für euch erstellen. Wenn der Plan steht, bekommt man eine Chip-Karte mit der man sich anmeldet und in der alle Geräte mit ihren Einstellungen eingespeichert sind. Ab dann kann man von Montag bis Freitag innerhalb der Öffnungszeiten immer kommen, wann man will und sein Training machen. Es ist immer ein Therapeut für Fragen da. Nach einigen Trainingseinheiten wird ein Belastungstest gemacht und geschaut, wie es bisher lief und ob man etwas anpassen kann.


Ich habe schon vor der 1. Chemo mit dem Sport dort angefangen und da wir wussten, dass ich unter anderem auch Taxol bekomme, haben wir prophylaktisch schon Übungen für die Polyneuropathie (Taubheit an Händen und Füßen) gemacht. Nachdem ein Test gemacht wurde, wie gut mein Gefühl vorab in den Händen und Füßen war, gab es ab da dann auf meinem Programm die Vibrationsplatte. Auf der habe ich meine Hände und Füße einmal „durchschütteln“ lassen. Das regt die Nerven an und soll verhindern, dass die Taubheit zu stark sein wird. Ich habe es jedes Mal gemacht. Ich konnte die Taubheit nicht komplett vermeiden während ich Taxol genommen habe, aber sie ist sehr schnell wieder weggegangen durch das Vibrationstraining.

Für mich ist das OTT super, denn man ist hier „normal“. Alle machen das gleiche durch und kämpfen gegen den Krebs. D.h. man muss sich nicht erklären, es schaut einen keiner komisch an, wenn man im Sommer mit Beani trainiert oder vielleicht nicht so viele Gewichte schafft. Hier geht es nicht darum ein Muskelprotz zu werden, sondern in Bewegung zu bleiben und den Körper zu stärken. Es gibt Kraft zu sehen, wie es andere auch schaffen.

Infos zum OTT:

  • Gibt es seit 2012
  • Ca. 1.500 Patienten, jährlich kommen ca. 250 Neue dazu
  • Ausgebildete Sportwissenschaftler und/ohne Physiotherapeuten mit onkologischem Background
  • Individualisiertes Trainingsprogramm
  • Ausführliche Infos zum OTT inkl. Video findet ihr auf deren Seite. Einfach hier klicken.
  • Es gibt auch ein Informationsblatt als PDF. Dieses findet ihr hier.
  • Für die Anmeldung braucht ihr die Medizinische Unbedenklichkeitsbescheinigung. Zum PDF geht es hier.

 

Adresse vom OTT:

Uniklinik Köln | Brustzentrum (Gebäude 47) | Kerpener Str. 34 | 50931 Köln
=> Wenn ihr reinkommt, rechts gehen und dann links neben dem Kiosk ist der Eingang

 

Öffnungszeiten OTT:

Montag: 9-14 Uhr
Dienstag: 9-14 Uhr
Mittwoch: 9-14 Uhr + 17-20 Uhr
Donnerstag: 9-14 Uhr
Freitag: 9-14 Uhr

(Abweichungen zu den Öffnungszeiten werden immer rechtzeitig vom OTT mitgeteilt. Keine Gewähr auf Richtigkeit.)

„Das Leben besteht in der Bewegung.“
Aristoteles