„Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben.“

Reisen und die Welt erkunden sind meine große Leidenschaft. Als ich vom Brustkrebs erfahren habe, dachte ich erst an die Chemo, den Haarausfall, aber auch an die ganzen Reisen, die ich dann nicht mehr machen könnte. Als meine Ärztin mich gefragt hat, ob ich noch Fragen hätte, war meine erste Frage „Darf ich fliegen?“. Sie hat mich erstaunt angeschaut, denn mit dieser Frage hatte sie nun wirklich nicht gerechnet.

Für mich ist das Reisen mehr als nur an einen Ort fahren. Neue Landschaften und Kulturen zu entdecken, zu sehen wie andere leben und dass es mehrere Wege gibt Sachen zu lösen, finde ich sehr faszinierend und es gibt mir total viel Kraft. Mein Freund und ich sind 2016 sehr sehr viel gereist. Wir haben über 15 Länder bereist. Und das wollten wir 2017 so weiter machen.

Doch dann kam der Brustkrebs und die Chemo ging los. Ich dachte im ersten Moment „Jetzt ist das Reisen vorbei“ und war total traurig. Doch ich wollte mir das nicht gefallen lassen. Warum sollte das Reisen verboten sein? Ich habe meine Ärztin gefragt, ob ich reisen und fliegen darf. Für die Ärzte war es okay, wenn ich in der Nähe verreise, aber fliegen fanden sie nicht so gut. Während der Chemo ist das Immunsystem geschwächt und die Luft im Flugzeug ist nicht gut und man könnte sich bei anderen anstecken.

Soweit verständlich. Dennoch kein Hindernis für mich. Ich brauchte das Reisen einfach. Das ist mein Energie-Bringer. Aber ich wollte natürlich nicht meine Gesundheit gefährden. Also habe ich mir bei den Schwestern einen Mundschutz besorgt – so wie man ihn von den Ärzten im OP kennt. Und so saß ich dann das erste Mal in meinem Leben mit einem Mundschutz im Flugzeug. Ich hatte noch einen Schal um den Mund herum, weil man sich mit dem Mundschutz doch etwas seltsam vorkam. Es war schon ein komisches Gefühl, aber das war es mir wert. Denn so konnte ich wieder reisen. 😀

Und so bin ich mehrmals während der Chemo geflogen – immer mit dem Mundschutz. Und wisst ihr was, die Reisen waren einfach TOLL und es hat mir so unfassbar gut getan!!!! Ich wollte unbedingt reisen, weil ich wusste, dass es mir Kraft geben wird. Wir sind nicht immer nur geflogen, es gab auch Orte, wo wir mit dem Auto hingefahren sind.

 

Während wir gereist sind, hatte ich immer einen dünnen Schal und Pullover dabei, falls es irgendwo mal z. B. wegen einer Klimaanlage ziehen sollte. Ich hatte auch ein paar Medikamente für den Notfall dabei, z. B. das Anti-Allergikum. Das habe ich aber nie benutzen müssen. Es gab Reisen, da war ich nicht komplett beschwerdefrei, aber es war nebensächlich. DENN ich konnte reisen und Zeit mit meinem Freund und Freunden verbringen. Da hat man die kleinen Wehwehchen hingenommen. ABER den Großteil hatte ich gar nichts – außer jede Menge Power 😉

Die erste Reise ging nach Mailand und an den Gardasee. Ich war aufgeregt. Endlich wieder reisen. Aber ich hatte auch etwas Angst. Klappt das mit dem Mundschutz, halte ich so viele Tage durch? Was ist wenn etwas mit meinem Körper ist? Nach der 1. Chemo habe ich leider sehr stark auf die Anti-Übelkeit-Medikamente mit voller Übelkeit reagiert. Das war keine schöne Zeit und dadurch war mein Körper etwas geschwächt.

Wir sind abends in Mailand angekommen und als ich am nächsten Morgen in meinem Blümchen-Kleid und mit Sandalen rausgegangen bin und die ersten Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht spürte, musste ich einfach nur strahlen. Es war so ein tolles Gefühl. Der Brustkrebs war nebensächlich. Jetzt konnte ich endlich wieder die Welt erkunden. Und obwohl ich die Woche davor so schlapp war und meine Leukozyten-Werte sehr schlecht waren, hatte ich jetzt Power pur. Wir sind an diesem und auch an den anderen Tage mehr als 10 km gelaufen und ich war nicht kaputt. Mein Körper hat das alles aufgesaugt. Wir sind am Montag morgen um 6 Uhr zurückgeflogen und ich bin direkt vom Flughafen zur Blutabnahme gefahren. Am nächsten Tag stand die nächste Chemo an. Und wisst ihr was, ich hatte TOP-Blutwerte. Ab da war mein Reisefieber wieder geweckt und nichts konnte mich mehr davon abhalten. 😀

Ich habe einfach jeden Moment beim Reisen genossen. Das hat mir immer soooo viel Kraft gegeben, dass ich die nächste Chemo umso besser überstehen konnte. Auch wenn die Tiefs nicht immer leicht waren. Zu wissen, dass ich nach der Chemo wieder einen Wochenend-Trip machen würde, hat mir unfassbar Kraft gegeben und mich motiviert, auch das nächste Tief zu überstehen.

Seit der Diagnose Brustkrebs im April bis heute (Ende November) habe ich mit meinem Freund und meinen Freunden 14 Wochenend-Trips gemacht und zahlreiche Tages-Ausflüge. Darunter waren Mailand, Gardasee, St. Peter Ording, Belgien, Amsterdam und viele mehr. Müsste mein Freund nicht am Wochenende arbeiten, wären es noch mehr gewesen 😉 Für die nächsten Monate sind auch wieder einige Trips geplant. 🙂

Also Mädels, nur weil wir Brustkrebs haben und gerade eine Chemo, OP oder Bestrahlung machen, heißt es nicht, dass man nichts anderes mehr machen darf oder kann. Es ist euer Leben und ihr könnt das Beste draus machen. Für mich war das Reisen mein Power-Booster 🙂

Lasst euch vom Krebs nicht das Leben vermiesen. Macht das was euch Spaß macht und Kraft gibt!

 

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