Als ich vom Brustkrebs erfahren habe und mich angefangen habe damit auseinanderzusetzen, habe ich gespürt, dass ich mir selber zeigen will, dass ich kämpfe. Man konnte nicht genau sagen, wie lange alles dauern wird, nur, dass es mindestens bis zum Ende des Jahres geht. Das kam mir unheimlich lange vor. Ich habe gedacht „Wie soll ich das nur schaffen?“.

Da habe ich mich daran erinnert, dass es den psychologischen Trick gibt, einen Weg in viele kleine Ziele zu unterteilen und von Tag zu Tag zu leben. Das macht es einem leichter. So kann man sich selbst überlisten 😉 Ich habe den Brustkrebs-Verlauf auch in mehrere Steps unterteilt. Die Chemo war z. B. Step 1, die Brust-OP Step 2, die Bestrahlung Step 3, die Reha Step 4 und Step 5 ist dann die BIG PARTY!!!!! Wenn ich das alles überstanden habe, wird das gefeiert.

Jeder überstandene Tag war wieder ein wichtiger Schritt in die Richtung den Brustkrebs zu besiegen.

Das war schon mal eine gute Idee, aber ich brauchte etwas wo ich das auch festhalte. Und was mich motiviert weiterzumachen. Ich wollte einen Kalender mit Motivationssprüchen, wo ich die einzelnen Tage wegstreichen konnte. Nach dem ich mir unzählige Kalender angeschaut habe, war nichts richtiges dabei. Entweder haben mir die Motivationssprüche nicht gefallen oder man konnte die Tage nicht richtig wegstreichen. Ich wollte sehen, dass ich wieder einen Tag geschafft habe.

Irgendwann hatte ich genug gesucht und mich entschieden, mir meinen eigenen Kalender zu designen. Ich habe mir dann alle Sprüche selbst ausgesucht, die zu mir passen und wo ich wusste, dass sie mir Kraft geben werden. Und auch die Felder für die Tage waren schön groß, so dass das Abkreuzen auch Spaß gemacht hat. Ich habe den Kalender dann „Fight-Kalender“ genannt.

Als er ankam, habe ich mich riesig gefreut. Endlich konnte ich jetzt den Kampf starten und jeden überstandenen Tag mit einem Kreuz abhaken. Ich habe nicht nur die Chemo-Tage dort eingetragen. Sondern auch positive Sachen, wie meine Belohnungen oder wenn ich besonders positive Ergebnisse hatte.

Zum Beispiel standen alle meine bevorstehenden Reisen mit meinem Freund und meinen Freunden drin. Das waren meine Belohnungen. Es war ein tolles Gefühl, wenn man den Chemo-Tag wegstreichen konnte und es immer näher zu der Belohnung kam.

Das hat mir immer so viel Kraft und Motivation gegeben, dass ich mich auf die Nebenwirkungen nicht so stark konzentriert habe und so besser überstehen konnte. Mein Fokus war auf meiner Belohnung und dass es mir bis dahin super geht. Ich habe geschafft, keine meiner Reisen absagen zu müssen, egal wie schlecht es mir davor ging. Durch die Motivation war ich am Tag der Abreise immer fit.

Einen Tag zu überstehen, das kriegt man hin, auch wenn es mal schwierig ist. Und so habe ich Tag für Tag gelebt und auf einmal ist schon über ein halbes Jahr rum und ich habe drei wichtige Steps geschafft. 🙂

Von einer Freundin habe ich Konfetti für die überstandenen Steps bekommen und hatte die Idee daraus tolle Erinnerungs-Fotos zu machen und den geschafften Step bewusst zu feiern.

So habe ich Step 1 – das Chemo-Ende gefeiert 🙂

Und so Step 2 – die überstandene OP 🙂

Und so Step 3 – die überstandene Bestrahlung 🙂

 

 

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